Fira-Gold

Guten Abend wie ich bereits letzes Mal großspurig verkündete, befasst sich dieser Artikel mit „Fira-Gold“. Doch was ist Fira? Betreiben wir Traumdeutung. Es war eine laue Sommernacht… Halt, Stop. So war es ganz bestimmt nicht! Es war eine muffig, stickige Augustnacht, die ich nach endlosem MK-/Bridge Commander-/Warpfire- und Ogame-Zocken in meinem zerstörten Bett verbrachte. Damit sie sich ein Bild machen können: Stellen sie sich Holz vor, dass in kunstvoller Handarbeit zu einem Bett verarbeitet wurde. Jetzt stellen sie sich vor, dass jemand alle Schrauben lockert und den forderen Verbindungsbalken ansägt. Wenn sie jetzt noch meine Schwester sehen die mit voller Wucht auf das Bett springt, dann sind sie in meinem Zimmer, herzlich Willkommen und wenn sie nicht attraktiv sind auch „Auf Widersehen“. Wo waren wir? Ach ja, Fira Gold. Jedenfalls lag ich da halt so rum mit dem Körper in einer interessanten 10° Schieflage und las Star Trek Vanguard: Harbinger. Irgendwann bin ich dann weggeratzt und das nächste an dass ich mich erinnerte war ein riesiger Schriftzug „Fira-Gold“. Fira Gold, wie sich im Anschluss herausstellte war eine Firma. Für was? In meinem Traum verkauften sie schwarze Kästen und unterhielten Hotels, wahrscheinlicher ist aber, dass sie wirklich in Gold machten. Es folgt die kurze Geschichte der Machtübernahme durch Fira-Gold:

Als Jordan erwachte, fühlte er sich müde, sehr müde.  Ächzend setzte er sich auf und nahm seine Brille vom Nachttisch (Ja gut, das ist geschönt, aber ne Brille wirkt immer intelektuell). Der Wecker zeigte 06:15 an und Jordan wußte, dass er spät dran war und weil er spät dran war, zog er sich natürlich auch sofort an, kämmte sich und ließ im Spiegel seine strahlend weißen Zähne zu einem Lächeln aufblitzen. Er wußte natürlich, dass sämtliche Mädchen seiner Klasse verrückt nach ihm waren, aber er konnte nun mal nichts dafür, dass er so unglaublich gut aussehend… Ähh, ich schweife ab. Wir waren jedenfalls dabei, dass der unglaublich gut aussehende Jordan zum Bahnhof ging, wo er von seinem Schergen Jan begrüßt wurde, der ihn dienlichst bat bei ihm Mathe abschreiben zu dürfen. Natürlich überließ Jordan dem kleinen Jan seine Mathehausaufgaben und gemeinsam fuhren sie mit dem Zug zur Schule. Doch schon hier änderte sich etwas. Überall in der Stadt hingen plötzlich riesige Werbebanner. Nicht bloß Litfasssäulen oder plakatwände, nein, über die straßenschluchten der großstadt wuppertal waren überall schwarze Banner gehängt auf welchen mit goldener Schrift „Fira-Gold“ stand. „Was ist das nur?“ fragte Jan erstaunt und hob den Kopf. Jordan schüttelte nur den Kopf. „Wahrscheinlich irgendein moderner Markenkram.“ Da er selbst weiterging ohne das Banner weiterzubeachten, sah auch Jan sich gezwungen weiterzu gehen.

Im Klassenraum der 12c sah es fast aus wie immer. Nur dass einige Schülerinnen und Schüler heute etwas abseits standen und wütend einem weit größeren Pulk Kindern in der Mitte des Raums schielten. Den Mittelpunkt dieses Pulks füllte jemand aus, den man fast für symphatisch halten könnte, wenn einem nicht sofort bewusst wurde, dass es das unerklärte Ziel dieser Person war symphatisch zu erscheinen. Janine Cheddarcheese saß auf ihrer Schulbank und gab, wie desöfteren wichtige Reden von sich. Beschränkte sie sich meistens darauf handyschwingend auf ihre Wichtigkeit hinzuweisen nutzte sie dieses Mal einen merkwürdigen, Hutschachtel-großen Kasten, der auf ihrem Schoß lag um sich zum Mittelpunkt des Raums zu machen. Als Jan und Jordan eintraten, erklärte sie gerade: „… und da habe ich einfach zu geschlagen. Heutzutage muss ja jeder eine Fira-Box besitzen. Wer sowas nicht hat ist voll out.“ Betreten blickte ein Großteil der Gruppe zu Boden. Phelix, ein Schüler, der durch seine brillianten Physikleistungen hervortrat, meldete sich zu Wort: „Und was bringt uns das jetzt, Janine?“ Auch andere begannen zu murren und allgemeines Unwohlsein machte sich in der Menge breit. Leider raffte Janine nicht, dass sie nun mit der Selbstbeweihräucherung etwas zu weit gegangen war. „Dir gar nichts, du hast es ja nicht!“ Janine grinste in die Runde und begann schon einmal zu lachen, in der Hoffnung andere würden mitmachen. Die Menge zerstreute sich wieder und vereinzelt war ein resigniertes „Spasti…“ zu hören. Janine sah sich hilflos um.

Währenddessen hatten Jan und Jordan ihre Plätze erreicht. Jordan saß neben dem ruhigen, unauffälligen und nicht-gläubigen Daniel, der sich des öfteren mit Niklas Meckes, genannt Meckie in die Haare bekam, wenn dieser wieder die Existenz Gottes predigte. Zu Daniels Leidwesen hatte er sich auch den Ärger der örtlichen Prolls Thorsten, genannt „The Horst“, Alex, genannt „Zeroflex“ und Alex, den man einfach nur Alex nannte zugezogen, da er ständig mit den beiden Strebern Timon und Samson herumalberte. Ebenfalls nicht zu Daniels Weltbild passte jenes der radikalen Technokratin Lieselotte, die in jeder Politikstunde auf die Vorzüge der Technologie hinwies und die Klimaerwärmung als Scherz einiger Ökoaktivisten betrachtete. Es gab natürlich noch andere Mitschüler Jordans, aber diese aufzuzählen, würde zu lange dauern, daher beschränken wir uns darauf zu sagen, dass bis auf Janine (welcher man nachsagte von ihrem Vater jeden Wunsch erfüllt zu bekommen) niemand eine Fira-Box besaß und obwohl sie sich geschlossen gegen den Besitz einer solchen ausgesprochen hatten, starrten die meisten dennoch während der Mathestunde von Herrn Xehlian (die wiederrum einen hervorragenden Unterricht lieferte und es verstand witzig aufzutreten) neidisch zu der Fira-Box unter Janines Tisch. Niemand dachte sich etwas dabei und nur wenige fragten sich, wieso alle neidisch auf eine Box waren, deren Sinn niemand verstand. Einen Tag später wurde es offensichtlicher: Mittlerweile gab es ganze 10 Fira-Boxen in der 12c und der Druck auf die non-Mainstream-Belegung der Klasse wuchs. Anfangs noch harmlose Sticheleien, artete der Fira-Wahn immer mehr aus. Die Besitzer der Fira-Boxen taten sich in illustre Gruppen zusammen und ehemalige Freundschaften zerrissen, da die Besitzer solcher Boxen, die man bald nur noch Firaschisten nannte, sich selbst von ihren Normalsterblichen Freunden abkapselten. Nur die wenigsten Schüler blieben unter diesem Druck noch standhaft und am nächsten Morgen waren bereits die meisten ebenfalls zu Firaschisten geworden. Für die Verbliebenen, zu denen auch Jordan, Daniel und „the Horst“ gehörten erhöhte sich der Druck nun stark, da mittlerweile auch Lehrer von dem Phänomen betroffen waren. Fira-Lehrer legten ihre Bevorzugung von Mit-Firaschisten offen an den Tag und Herr Spröhdert, der Physiklehrer, versuchte beinahe Jordan zu verhaften, als dieser im Unterricht einen Papierflieger bastelte. Nur wenige Lehrer und Schüler waren noch nicht zum Firaschismus übergetreten und hatten es im Alltag vielfach schwerer. Als es kaum noch schlimmer kommen konnte, tauschte die Schulbehörde den Nicht-Fira-Mann Weebersen gegen einen anderen Direktor aus, Presster. Es dauerte nur wenige Tage und eine Massenentlassung lag auf dem Tisch, unterzeichnet vom Schulbeirat und dem neuen Direktor.

Am Morgen darauf hingen auf dem gesamten Schulgelände Fira-Banner aus und eine Durchsage des neuen Direktors bestätigte, was vielen bereits bewusst war. „Gegen Andersgläubige wird notfalls mit Gewalt vorgegangen.“. Mittlerweile waren auch Politik und Medien aus dem Tiefschlaf erwacht und teilten sich in 2 Lager: Jene, die von der Gefahr, die durch Fira drohte warnten und jene, die alles als Mode ansahen. Tag für Tag wurden die kritischen Stimmen weniger und eines morgens verstummten sie ganz. Vom Bundestag war mittlerweile seit Wochen nichts mehr zu hören gewesen, als eine Debatte über den Einsatz der Bundeswehr das Parlament völlig zerfasert hatte. Besorgte Eltern hörten nun auf ihre Kinder weiterhin zur Schule zu schicken und verbarrikadierten sich zu hause. Als dann auch noch ein Regierungssprecher bekanntgab, dass der Bundestag übereingekommen war, die Bundeswehr aufzulösen und nebenbei Deutschland in „Firanien“ umzubenennen, war das Chaos komplett. Firaschischten begannen stumm die Häuser von noch nicht gefiraten Familien zu umstellen. Die Telekom begann damit ihr Netz für alle Nicht-Firaschisten zu deaktivieren und Schokotickets galten auch nicht mehr für jeden. Als einer der Ersten erlebte Jordan die Firasierung mit. Die Firaschisten hatten begonnen einen Kreis um das Haus der Jordans zu ziehen und hilflos sah Jordan aus dem Fenster, wie sie immer näher kamen. In seiner rechten Hand hielt er ein Telefon, das plötzlich zu klingeln anfing. „Hallo?“ „Hie… hier ist Daniel. Jordan, sie kommen näher, was soll ich tun?“ „Ruhig, ganz ruhig, Daniel, es wird alles  gut. Am besten ihr versucht durch den Keller zu entkommen.“ „Gu…gute Idee.“ Man hörte wie Daniel am anderen Ende der Leitung seinem Vater etwas zurief und dieser daraufhin die Kellertür öffnete. Danach hörte man nur noch Schreie. „Mein Gott! Sie sind im Keller! Sie kommen hoch! Gott steh uns bei! Ah, ahh!“ Das nächste was Jordan vernahm war der nonchalante Vibrato der Fira-Werbestimme. „Diese Telefonleitung gehört nicht zum Firanetz. Wir bitten um Verständnis.“ „Daniel? Daniel!“ Doch die Leitung war bereits tot. Jordan wollte gerade das Telefon weglegen, als etwas gegen die Scheibe pochte. Es war einer der Firaschisten, der gegen das Küchenfenster klopfte. Der Kreis der Firaschisten hatte mittlerweile beunruhigenden Abstand zum Haus angenommen. Erschrocken wich Jordan zurück und ins Wohnzimmer, wo seine Schwester und ihre Eltern auf dem Sofa kauerten. Unendliche Angst legte sich auf Jordans Seele und trotz zahlreicher Selbstzweifel und dem Wunsch eher zu sterben, als dies geschehen zu lassen, wagte Jordan nicht länger Widerstand zu leisten. Er ging zur Haustür, berührte den Türknauf, starrte in die Augen auf der anderen Seite der Scheibe und zog die Klinke herunter. Durch den Spalt in der Tür flog eine Fira-Box hinein.

Zeitsprung.

Der Übergang war relativ glatt verlaufen. Alle Menschen abzüglich einer nicht nennenswerten Minderheit, die sich in den Bergen versteckte, waren nun Anhänger des großen Fira. Wer oder was Fira war, wußte zwar nach wie vor niemand, aber das machte nichts. Das Leben der meisten Erdenbewohner ging seinen gewohnten Gang, außer der Tatsache, dass ein Arbeitsplatz in der Fira-AG und im Fira-Hotel nun als Traumjob weit über dem eines Arztes getitelt wurde. Jordan war es gelungen als Zimmerjunge im Fira-Hotel anzuheuern. Er stand nun täglich in der Topmodernen Halle und hörte sich endlos lang die Aufnahme eines Radiowerbespots zu Fira an. Er war glücklich. Mehrere Tage strichen ins Land und außer der Tatsache, dass Jordans alte Bekannte Jana, Theresa und Lara mit dem neuesten Modell der Fira-Box, der Fira-Tasche durch die Hotellobby gingen, geschah nichts bemerkenswertes.

Alles war gut.

ANMERKUNG: Die Geschichte wurde ein wenig aufgemotzt und teilweise auch gekürzt, da man mit einem Traum als Grundlage nicht gut arbeiten kann. Ursprünglich gehen bspw. Jana. Lara und Theresa im Minirock und mit Sonnenbrillen durch die Lobby während der Retter der Welt Mario Mohr wird, der mit Kopfhörern im Ohr eine große Freitreppe sprengen wird, die irgendwas mit Fira zu tun hat.

Was kann man jetzt für eine Lehre darausziehen?

  1. Manipulation ist gefährlich
  2. Hütet euch vor Fira!
  3. Mario wird die Welt retten!
  4. Selbst jene, die wie Helden scheinen, können Verräter sein.
  5. Fira schützt nicht vor Miniröcken.
  6. Die Apokalypse kommt.
  7. gar nichts.

Ich persönlich finde die Punkte 1,3,4 und 7 sinnig. Ob Mario die Welt allerdings unbedingt vor Fira schützt will ich bezweifeln…

gute Nacht jedenfalls,

Jordan

PS: Auf vielfachen einfachen Wunsch hin, wird der Character Nicklas Meckes jetzt noch einmal beleuchtet. Nicklas Meckes ist einer der beliebtesten Menschen der Klasse. Es ist ihm zu verdanken, dass die Unterrichtsstunden jetzt mit dem Morgengebet begonnen werden und der Landtag über die Wiedereinführung des Scheiterhaufens debattiert. Dennoch lobt sich Meckes nie für seine Erfolge und ist stets zurückhaltend. Er ist auch noch immer Single, was aber weniger daran liegt, dass er keine Freundin bekommen kann, sondern eher daran, dass er sich penibel an das „kein Sex vor der Ehe“-Gebot hält.

3 Antworten

  1. Eine ganz harte Story. Aber dass ich tief religiös sein soll, passt mir, wie du dir denken kannst gar nicht. Fürchte dich, meine Schaufel ist geschliffen.
    MgG
    Goldene Schaufel

  2. Ja mir hat die Story super gefallen. Ich versteh garnich, was der olle Goldspaten da zu meckern hat

    MgG

    Plastikene Schaufel

  3. Ich warne dich Georg. Wenn du es nocheinmal wagen solltest meinen ehrenwerten Namen in den Schmutz zu ziehen werde ich dich aufessen^^. Ich hab nichts gegen die Story, jetzt wo ich wieder in meiner angestammten Person als Atheist bin, passt sie mir sogar sehr gut^^.
    Hüte dich, Georg, hüte dich, wie das ihrerzeit schon die 99 Hüte taten^^.
    MgG
    Goldene Schaufel

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