Individualität ist ein Begriff der seit einiger Zeit durch das SchülerVZ geistert. Dieser Begriff bezeichnet die Eigenschaft eines Menschen einzigartig zu sein. Und das ist scheinbar ein ziemlich erstrebenswertes Ziel, denn ich bin mir sicher, dass wenn man eine Wörterzählung im SchülerVZ machen würde, dass Individualität den ersten Platz belegen würde, dich gefolgt von „Liebe“ und, gut eigentlich ist es ein Satz, „kA, lernt mich einfach kennen!“.
Auf beinahe jeder 2. Seite im SchülerVZ findet man einen Verweis auf Individualität oder ihren Gegenpart, den widerwärtigen „Normalo“. Das sind dann meistens so Aussagen, wie „Was ich nicht mag: Normale Menschen“. Eigentlich müssten diese Leute (und das sind ganz schön viele) keine Freunde haben, denn die meisten von uns sind anatomisch normal. Gut der Vergleich hinkt aber was ich damit sagen will ist: Normal und Individuell sind zwei sehr dehnbare Begriffe. Ich zum Beispiel empfinde mich eigentlich als normal, allein um gegen den Strom von lauter unglaublich individuellen Menschen zu schwimmen (Daniel: Doch dazu später mehr).
Dennoch habe ich nicht das Gefühl, dass man mich dafür hassen würde. (Neee, die meisten hassen mich wegen anderen Sachen…) Auch hier liegt das wieder am dehnbaren Begriff. Vllt. empfinden mich meine Bekannten (Nein, das wird jetzt keine Abhandlung über „Freunde“. Das mach ich nächste Woche.) als individueller als ich mich selbst empfinde. Das würde mich ärgern, weil mein ganzes Trotzen dann ja seine Wirkung verfehlt hätte. Nein, was ich sagen will, ist, dass (Und jetzt komm ich glaub ich endlich zum Punkt) ich selbst auch die meisten Leute die sich selbst als so individuell empfinden, sehr normal finde. Normal im Sinne von „schwimmt mit dem Strom“. Ich weiß ja nicht, ob das nur meine Meinung ist, aber wenn die Mehrheit plötzlich beginnt gegen den Strom zu schwimmen, dann sind sie keine „Rebellen“ sondern bloß ein Kreisverkehr. Im Moment scheint es halt gängige Mode zu sein, dass man behauptet NICHT mit der Mode zu gehen. Gut warum auch nicht? Ist ja auch ne Art von Leben. Es ist nur sehr arrogant und auch sehr dämlich dann auch noch zu behaupten man wäre der einzige der sich so verhält, der einzige, der Chucks und Vans trägt, der einzige, der sich die Haare schwarz färbt, der einzige der Palästinenser-Schals trägt. Das ist in sofern dämlich als dass man auf den Freundeslisten dieser Personen meist genaue Ebenbilder findet. Die Kategorie „Was ich nicht mag“ ist meistens absolut identisch. Bei Mädchen ist es „Krieg, Schlampen, Biatches und Langeweile“ bei Jungen sind es „Langweiler, Schule, Lehrer, Lügner“. Das kann man ja noch auf Einfallslosigkeit schieben. Es soll ja auch Menschen geben, die nicht den ganzen Tag nörgeln. Ich frag mich wie die das machen… Egal. Erstaunlich wird es dann schon bei „Was ich mag“. Hier sollte sich ja eigentlich zeigen, wie individuell der Besitzer der Seite ist. Man erwartet jetzt ganz verschiedene Aufzählung, aber leider wird man nur bei seinem ersten Besuch im SchülerVZ überrascht und selbst dann hält sich der Schock in Grenzen, denn man kennt das ja alles schon vom Schulhof. Bei Mädchen ist an dieser Stelle „Zeichnen“ sehr beliebt. Die Hardcore-Individualisten gehen hier noch einen Schritt weiter „Manga zeichnen“. Es wäre sehr Dawkinshaft jetzt zu erwähnen, was ich vom Manga zeichnen halte, aber gut, die Geschmäcker sind verschieden. An nächster Stelle folgt dann bei Singles „Liebe“ meist geschrieben mit einem verlängertem mittleren „e“ um das geschmachtete Seufzen zu untermalen oder was weiß ich. Bei Menschen, die bereits zu einander gefunden haben, findet sich hier eine Auflistung von ziemlich vielen Herzsymbolen und dazwischen ein „maA sChadzZ!
„. Auch hier kann man sagen „Gut, wenn sie sich lieben…“ So im Nachhinein betrachtet ist das auch ein sehr schlechter Beweis… Ich glaub das lösch ich bei Gelegenheit. Fangen wir nochmal von vorne an:
Was ich sagen will ist, dass sich viele SchülerVZ-Seiten sehr ähnlich sehen. Verhaltensforscher werden sagen „Nicht verwunderlich, der Mensch ist ein Herdentier und ein Nachahmungstäter.“ Seine Heiligkeit, das bin im Übrigen ich, wird sagen: „Ja, schon, aaaaaaaber: Warum behaupten sie dann alle von sich individuell zu sein?“ Das war dann die Frage, die ich mir seit einiger Zeit stelle. Erst hab ich gedacht: Vielleicht behaupten sie, individuell zu sein, weil sie sich in Gruppen aufsplitten? Wer Fantasy-Rollenspiele spielt (Es sind KEINE schweinischen Rollenspiele gemeint! Ich meine RPG.) kennt das: Das Spiel bietet eine Reihe von Gilden denen man sich anschließen kann, je nachdem wie sie zu einem passen. Jemand der einen Bogenschützen spielt wird sich eher der Soldatengilde als der Magiergilde anschließen, weil es besser passt. Das selbe Verhalten kann man auch in Klassenräumen beobachten: Hartgesottene Teenager hören harte Musik und schließen sich zu noch härteren Gruppen zusammen um noch härtere Drogen (Cola) zu konsumieren. Das sind Hip Hopper. Der Spieler kann den Hip Hoppern nur beitreten, wenn sein Intelligenzlevel einen gewissen Bereich nicht überschreitet oder er so tut als wäre er dumm. Außerdem muss sein Gewaltlevel hoch sein. Eine andere Gilde die seit der neuen Version von „Schule“, einem ziemlich üblen Fantasyrollenspiel, dass an Harry Potter angelehnt ist implementiert ist, sind die „Emos“. Emos, das sind zartbesaitete Personen, die nicht selbstbewusst genug sind, sich einfach in den Mittelpunkt zu stellen, sondern das über Kleidung und Schminke erreichen wollen. Bei Mädchen fällt es nicht auf. Ein geschminkter Junge ist schon erfolgreicher. Außerdem lieben es diese „Emos“ (Nicht zu verwechseln mit Emus), wenn andere sie hassen. In der Praxis sind sie zwar meistens sehr beliebt, aber sie behaupten dennoch die unbeliebteste Gilde des Spiels zu sein. Leider geht der Anteil an „echten“ Emos rasant zurück, da sich ihnen mittlerweile sehr viele Spieler angeschlossen haben, die sich zwar schwarz kleiden und die entsprechende Musik hören aber nicht die psychischen Probleme eines Emos aufweisen. Das ist aber egal. Ich habe nicht vor diese Gruppierung zu erklären oder fertig zu machen, dazu bin ich nicht genug informiert und außerdem gibt es da eine ziemlich üble „Opposition“ zu solchen Statements in meiner Klasse…
Wenn man also sagt, dass Individualität bereits dann besteht, wenn man sich in Gruppen zusammenfindet, die alle untereinander unterschiedlich sind, dann sind die von mir gemeinten Personen tatsächlich sehr individuell. Das Problem ist nur, dass Individualität eher auf „Individuen“ also einzelne Personen abzielt. Also kann das nicht stimmen. Vielleicht ist es so, dass sie sich lediglich in der Wortbedeutung geirrt haben. Aber das wären dann ziemlich viele, die diesen Irrtum übernommen hätten – Das kann ich nicht glauben. Viel wahrscheinlicher finde ich die These, die ich irgendwo da oben aufgestellt habe: Das es einfach modern ist, zu behaupten man seie individuell.
Ich verurteile niemanden, der sich in Gruppen zusammenrottet. Der Mensch ist halt ein Rudeltier und braucht Gesellschaft. Das klappt in der Gruppe am besten. Es verwundert mich -nein- es kotzt mich ehrlich gesagt an, dass im Moment diese Heuchelei regiert. Anstatt sich selbst damit zufrieden zu geben zu sagen: „Ja, ich bin ein Hip Hopper/Emo/Metaller/Punk/was weiß ich“ setzen sie schnell hinzu „Ja, aber ich hab meinen eigenen individuellen Stil!“ Eine gewisse Individualität spreche ich ihnen gar nicht ab, schließlich sind es keine Klone. Aber es ist offensichtlich, dass ihr Streben daraufhinzielt mit der Masse zu verschmelzen um bloß nicht aufzufallen. In diesem Atemzug noch zu behaupten individuell zu sein, ist sachlich falsch und äußerst doof.
Als abschließendes Dingsda: Ich hab die ganze Zeit von der diffusen Mengen „ihnen“ gesprochen. Das ist natürlich grob vereinfacht. Es gibt natürlich viele Personen, die sich nicht in Gruppen zusammenfassen lassen, aber dennoch bildet die von mir beschriebene „große Individualistenbewegung“ eine Mehrheit. Auch möchte ich mich bei jenen Leuten entschuldigen, die sich selbst als Emo fühlen und sich angegriffen fühlen. Ich hätte jederzeit mit jeder beliebigen anderen existenten Gruppe argumentieren können, aber die Emos bieten sich an, da sie als einzige Gruppe quasi den Ursprung der Bewegung bilden. Außerdem befindet sich unter meinen 3 Lesern auch eine goldene Schaufel, die man mit Beleidigungen gegen ihr verhasste Gruppen und Personen sehr gut ködern kann.
Ich hatte glaube ich noch einen wirklich abschließenden letzten Satz aber den habe ich vergessen…
Wie dem auch sei:
mfg
Jordan
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Ich könnte mich jetzt mit jeden Paragraphen, denn dies ist ein starkes Wort, einzeln befassen und jede Zeile einzeln kommentieren. Da du aber ziemlich viel geschrieben hast, werde ich das nicht tun.
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Was ich damit sagen möchte: ich werde die Gesamtimpression beschreiben. Doch ich werde es mir nicht nehmen lassen, den ersten Satz zu loben^^. Er gefällt mir, als einem eingefleischten SvZ-Hasser – dies kann ich an dieser Stelle mit Fug und Recht anbringen, denn SvZ bietet ja nach deiner eigenen Aussage eine wichtige Plattform für das ganze Gehabe. Ausserdem bin ich ja eine Goldene Schaufel, die man mit Beleidigungen gegen verhasste Gruppen und Personen sehr gut ködern kann …
Was ich damit sagen möchte: der erste Satz gefällt mir.
Ansonsten scheinst du in deinem Artikel die Wahrheit zu sagen, besonders über die „Was ich mag“- und die „Was ich nicht mag“-Liste.
Das du dich hier allerdings nach deiner Abhandlung über Emos so offen zu deiner Furcht vor der Opposition bekennst wundert mich, denn diese Opposition wird hier wohl kaum mitlesen …
Was ich damit sagen möchte: du brauchst dich hier nicht vor der Opposition fürchten.
So, abschließend noch eine Bemerkung zum Thema RPG. Ich hoffe dir ist bewusst, dass es auch versaute RPGs gibt, die durchaus auch als solche bezeichnet werden. Wenn du mir nicht glaubst frag doch mal die Individuellste aller Individuellen
Was ich damit sagen möchte: es gibt auch nicht jugendfreie RPGs.
Hiermit endet dieser Kommentar.
Was ich auch noch durch ihn sagen möchte: du verwendest zu oft die Formulierung „Was ich damit sagen möchte“.
Mit goldigsten Grüßen
Goldene Schaufel