Guten Abend, meine lieben Freunde, Feinde, solche die mich überhaupt nicht kennen und natürlich die Neutralen.
Nach langer Abstinenz vom Bloggerleben (Ich hab mein Privatleben in einer leeren CD-Hülle wieder gefunden…) melde ich mich mal wieder zurück. Mein Ursprungsgedanke war ja “Unterhalte die Leute mit irgendwelchem Krampf aus deinem Alltag”. Nachdem mein Beitrag über die tragischen Probleme eines pickligen Teenagers gefloppt ist, sah ich das ein wenig anders und bin auf allgemeingültige Sachen umgestiegen. Laut diversen (zwei) Fanaussagen kam das schon bedeutend besser an.
Also ist der neue Leitgedanke dieses Blogs “Kommentiere Allgemeingültiges!”. Der subtilere Gedanke dahinter ist: “Blogge immer nur dann, wenn dir nichts besseres einfällt.”
Gut, damit wäre das beschlossene Sache. Es fehlt nur wie immer ein Thema. Meine erste Idee war ein Thema dem ich mich in näherer Zukunft widme: Dem Klischee. Falls du, werter Leser schon in den Startlöchern sitzt um zu schreiben “He Spast! Du bedienst aber auch dauernd Klischees!” dann möchte ich dich bitten damit zu warten, bis ich mich verteidigen kann und will.
Also: Worum geht es in diesem Artikel: Wie üblich liegt das Geheimnis in der Überschrift: Was hat das Kaiserreich mit der Minenkolonie zu tun?
Gute Frage… Ich, Gott und Kanzler in Personalunion habe lange über die Antwort nachgedacht und präsentiere sie daher auch…
Später.
Fangen wir mit einer kurzen Geschichte der beiden zu betrachtenden Objekte an. Zuerst das Kaiserreich…
Das deutsche Kaiserreich entstand irgendwann im Jahre 1871 als Spätfolge der französischen Revolution. Den Deutschen ging es zu dem Zeitpunkt richtig dreckig. Erst der 30 Jährige Krieg, weil der Papst und die Evangelen sich unbedingt mal wieder kloppen mussten und dann wurde Deutschland, dass nach dem 30 Jährigen Krieg sowieso nur noch aus zahllosen kleinen Fürsten- und Herzogtümern bestand auch noch von Napoleon überrannt. Ich kann mir richtig vorstellen, wie angepisst die damals alle waren… [Anmerkung des Verfassers: Mir fiel später auf, dass Napoleon erst nach der französischen Revolution losmarschiert ist. Ich bitte meinen Fehler zu entschuldigen; Ich wollte ihn eigntl. Korrigieren, hatte dann aber keinen Bock mehr den Absatz umzuschreiben]
Dann ging’s in Frankreich los: Blut floss, Köpfe rollten: Die Revolution hatte begonnen. Es dauerte nicht lange, da glaubten auch die Deutschen, dass es an der Zeit wäre was zu verändern. Die besonders Schlauen versteckten sich in ihren Schreibkammern und schrieben irgendwelche melancholischen Hymnen über Reich, Recht und Vaterland, (Böse Zungen würden das jetzt als die Geburtstunde der Gothics bezeichnen, aber ich halte mich da mal raus…) während die besonders Doofen Flaggen- schwingend irgendwelche Burgen stürmten. Jedenfalls wurde der Druck auf die hunderten von Fürsten und Herzogen und Freiherren und Könige usw. immer größer. Unter der Führung des preußischen Ministerpräsident Otto von Bismarck trafen sich die besagten Fürsten, Herzöge, Freiherrn und Könige in der Frankfurter Paulskirche. Die Massen erhofften sich von diesem Tag die Gründung eines neuen deutschen Reiches und endlich auch ein Mitbestimmungsrecht. Das erste konnte unter großem Protest eingeführt werden, das zweite scheiterte an der Reformunwilligkeit der Adligen. Ab diesem Tag war Deutschland eine konstitutionelle Monarchie mit einen Kaiser an der Spitze. Alles jubelt, alles lacht und es hat auch scheinbar jeder vergessen, dass man eigentlich ne Demokratie haben wollte. Das haben die Herren in der Paulskirche aber nicht über sich gebracht. Dazu musste erst noch ein Weltkrieg verloren werden…
Jedenfalls waren wir im Kaiserreich. Es gab ab jetzt einen Reichstag wo sich die Parteien miteinander kloppen durften, aber wirklich was zu sagen hatten sie nicht.
Und hier – Genau hier – schlagen wir den Bogen zu ForenRPGs, beziehungsweise Internet-Communities generell und als besonderes Beispiel die Minenkolonie.
Was ist die Minenkolonie? Manche sagen sie ist ein Riegel, andere behaupten es ist die vermutlich längste Praline der Welt! …Nicht richtig? Nein? Schade.
Die Minenkolonie ist ein Online-Browsergame, ein so genanntes “MMORPG”. Was “MMORPG” heißt, weiß ich nicht, es klingt aber sehr intelligent. Wenn du, werter Leser es wissen willst, gibs doch einfach bei google ein…
Die Minenkolonie ist also ein Browsergame. Das heißt man klickt sich durch ziemlich viele Fenster, tötet Monster, erlernt Fähigkeiten um Monster beim Töten auszunehmen und verkauft ihre Eingeweide dann an andere Spieler weiter, die daraus irgendwelche Zaubertränke basteln können, die sie dann wieder an dich verticken damit du noch mehr Monster töten kannst. Der MK-Wirtschaftskreislauf ist in etwa so genial, wie der, den Deutschland 1923 hatte: Hyperinflation. Wenn man gerade mit MK angefangen hat, gibt es eigntl. Nur zwei Wege: Entweder man zockt drei Tage lang und bemerkt dann das man keinen Bock mehr hat, weil täglich Monster killen einfach langweilig ist oder man entdeckt diese gut versteckte Option RPG zu machen. RPG? Ihh, was ist das? RPG ~ Role Playing Game, Rollenspiel. Man schlüpft in die Rolle einer Figur und schreibt in einer Chat-ähnlichen Umgebung seine Handlungen und Worte auf. Klingt langweilig? Kommt auf den Charakter an. Viele Rpler fühlen sich an dieser Stelle oft angegriffen und reagieren bissig: “Du findest das nur scheiße, weil du nicht so viel Fantasie hast wie ich!” Das ist eindeutig falsch. Rpler haben nicht mehr und nicht weniger Fantasie als ihre Artgenossen. Sie leben sie nur anders aus. Man könnte soweit gehen, zu behaupten, dass Rpler im Kindesalter stehen geblieben sind. Wer hat schließlich nicht in der 2. Oder 3. Klasse ein wenig rum gesponnen wie es wäre jemand ganz anderer zu sein?
Rpler machen das noch immer und verbinden dass mit dem neuen “bösen” Medium Internet. Warum sollte man seine quäkigen Gedanken denn nicht mit anderen teilen? Der Spieler fängt also mit dem RP an. Dazu muss er sich erstmal frei schalten, denn Sajeth (An dieser Stelle, lieber Leser neigst du bitte ehrfürchtig den Kopf und schwörst vor deinem neuen Gott – Sajeth – dass du von nun an nur noch ihm Folge leistest und jeden seiner Forenposts, wo immer sie stehen mögen, bedingungslos unterstützt. Denn Sajeth ist der Herr, dein Vater, der Programmierer, in Ewigkeit, Amen.) hat da einen ganz brillanten Trick eingebaut: Ehe man loslegen kann, muss man quasi das Handbuch lesen, eine knappe Bildschirmseite mit der üblichen Nettiquette (Nicht beleidigen, nicht verbal schlagen, kein PP (dazu später mehr) und ein Glaubensbeweis an den Herrn) in der irgendwo der Freischaltlink versteckt ist.
Ein Großteil der angehenden MK-Spieler scheitert schon hier und es ergibt sich ein neuer Erstlingsthread im Forum, der meist in etwa so aussieht:
“Hey Leutzz,
Kann mia einer sagen, wo der Link is zum Freischaltan und sou? Ich cheq das voll net…”
Aber zum Glück sind die Moderatoren und Admins stets bemüht auch in solchen Fällen für schnelle und vor allem freundliche Hilfe zu sorgen. Einen Tag später steht also unter diesem Thread:
“ Hi dampfnudel35,
Nachdem ich deinen Post 5x bei Google durch den Übersetzer gejagt habe, habe ich schließlich verstanden was du meinst und habe sogar meine Antwort übersetzen lassen:
Biszt du zu blöd zum lesen oda sou? Den Text musst du durchcheqen, dann findest dou den Link
In diesem Sinne
Closed”
Das letzte Wort ist dabei so was wie der Reichsapfel von Kaiser Karl: Eine unanfechtbare Herrschaftsinsignie. Hier durch wird demonstriert: Sieh mal, ich Mod, du nix.
Außerdem habe ich die fünf bis unendlich Posts vergessen, die zwischen dem ersten und letzten liegen:
“Boah,
Ich raff voll nich was der will.
Lern mal Deutsch, ja?”
Lustigerweise stammen diese Posts von Leuten die erst eine Woche zuvor selbst die Frage nach dem Freischaltlink gestellt haben. Auch sie wurden “behandelt”, wie kommt es also, dass ihnen jegliches Mitgefühl abhanden gekommen ist?
Meine Antwort auf diese Frage würde an dieser Stelle so was wie Gotteslästerung darstellen, daher lassen wir das. Soll sich jeder seinen Teil denken.
Aber wir sind immer noch bei unserem MK-Neuling: Nachdem er sich endlich dazu durchgerungen hat wirklich den Text zu lesen, ist es endlich soweit: Der Freischaltlink ist gefunden und das RP somit eröffnet. Erste Frage an den Delinquenten: Wie heißt dein Charakter? In diesem Falle zieht der versierte Rpler wahlweise Eragon oder Herr der Ringe, manchmal auch Harry Potter aus dem Regal und sucht einen Namen. Wenn ein besonders fantasievoller gefunden ist geht’s weiter. (Einige bleiben hier aber auch bei ihren Erstlingswerken, so ist mir schon einmal “Neuling Kampfzigarette” entgegengekommen…) Nächste Frage: Was macht dein Chara(kter) in der Minenkolonie?
Für alle, die noch nie Gothic gespielt haben: Die Minenkolonie ist ein Tal auf der Insel Khorinis und wird von der magischen Barriere umgeben. Man kommt rein aber nicht raus. Straftäter werden rein geschmissen und kommen nicht mehr raus. Aus Gründen, die mir jetzt zu lange dauern zu erklären, liefern die Gefangenen magisches Erz an die Leute außerhalb der Barriere.
Also: Was hat dein Chara verbrochen? Niemand möchte gerne ein Verbrecher sein, daher kommt Schema F der Geschichten zum tragen. “Ich war ein großartiger General des Königs, aber man hat mich verraten und zu Unrecht rein geworfen und jetzt will ich Rache!” Soweit, so gut; nächste Frage:
Welchem Lager schließe ich mich an? Drei Lager gibt es im Originalen Gothic, vier in der MK. Kommen wir also zu einer kurzen Erklärung der Lager:
Das alte Lager: Eine alte Burg in der Mitte der Kolonie. Hier herrscht eine strenge Hirarchie. Ganz oben sitzen die Erzbarone, die nichts tun und alles kriegen, darunter sind die Gardisten, deren Aufgabenbereich sich auf Schutzgelderpressung und Torbewachung beschränkt. Anschließend und ganz unten sitzt der Schatten. Der hat prinzipiell nix zu tun, ist aber aus irgendwelchen mir unerklärlichen Gründen ein guter Dieb und Bogenschütze. Als Sonderzweig gibt es noch die Feuermagier. Diese stellen eine Mischung aus Meister Yoda und den Franziskaner-Mönchen dar. So in etwa sieht es im originalen Gothic aus. In der MK sieht das ein wenig anders aus: Auch hier sitzen die Erzbarone die meiste Zeit nur rum und kommen nur zu großen Aktionen raus. Gardisten erpressen die meiste Zeit über Schutzgeld, sitzen am Lagerfeuer und haben Liebesbeziehungen mit Schatten. Schatten haben nur Liebesbeziehungen und sitzen am Lagerfeuer. Die Feuermagier (auf die ich später noch genauer eingehen möchte) sind einfach da, sammeln Kräuter, glauben besseres RP als alle anderen zu machen und freuen sich, dass keiner sie leiden kann.
Das neue Lager: Eine Höhle an einem See, in einem Berg, in der Kolonie. Hier haben die Wassermagier – eine Art Konterpart zu den Feuermagiern – das Sagen. Ein Wassermagier lässt sich leicht an seiner seeblauen Robe, einem debilen Grinsen und dem Anstecker “Ich bin ja so dermaßen tolerant!” erkennen. Den Wassermagiern zur Hand gehen die Söldner. Diese tragen bläuliche Rüstungen mit Flicken und rauchen die meiste Zeit über Sumpfkraut, so ne Art Haschisch, streiken oder führen Liebesbeziehungen. Den Söldnern untergeordnet sind die Banditen. Wie der Name schon sagt beschäftigen sich Banditen mit dem Diebstahl. Einige sind dabei richtig exzessiv, denn “Bandit xy knackt das Schloss und räumt die Hütte aus. Niemand hat ihn gesehen. Er knackt die nächste Hütte, niemand hat ihn bemerkt. Mit dem Eigentum von zwanzig Schatten unter dem Arm verlässt er das Lager. Niemand hat ihn gesehen.”
Das ist natürlich logisch nachvollziehbar, denn gute Banditen können laut Charakterbiographie auf ein Leben als Meisterdieb zurückblicken, die natürlich alle tragischer Weise beim Coup ihres Lebens (Zepter/Krone/Mantel/Zahnbürste des Königs) von ihren Komplizen verraten wurden. Nebenbei führen natürlich auch Banditen Liebesbeziehungen.
Das Sumpflager: Einige Bretterinseln irgendwo im Sumpf. Hier leben die sg. Sektenspinner. Sie vertreten einen radikal anderen Glauben, als die anderen Lager, aber weil ja in diesem mittelalterlichen Browsergame alle so tolerant erzogen wurden, passiert ihnen nichts. Angeführt werden die Sektenspinner von ihrem Chef-Guru Y`berion. Der sitzt tagein tagaus in seinem Tempel und lässt niemanden mit sich sprechen. Y`berion untergeordnet sind die Gurus. Diese sorgen dafür, dass das alltägliche Leben seinen Gang geht und sind für Sumpfkrauternte (Ja das Sumpflager ist ein Drogenumschlagplatz), Unterricht der Novizen und ähnliche tägliche Arbeiten zuständig. Außerdem sind alle Gurus fähig Magie zu wirken. Für den Schutz der Gurus und des Lagers gibt es die Templer. Das ist quasi noch mal das Gleiche aber bewaffnet und nicht ganz so magisch. Den gesellschaftlichen Bodensatz des Sumpflagers bildet der Novize. Er erntet Sumpfkraut, raucht es und lässt sich bepredigen. In der Minenkolonie hat das Sumpflager den besten Ruf von allen Lagern, da hier tatsächlich RP betrieben wird. Eine Beförderung dauert zwar schon mal mehrere Monate, aber dafür soll das RPG der Sumpfler sehr anspruchsvoll sein.
Last but Not least:
Das Orklager: Das kommt im eigentlichen Gothic gar nicht vor. Irgendwie gibt es dieses Lager in der MK aber doch. Gott Sajeth selbst ist der Anführer dieses Lagers, weswegen dieses Lager einige Sonderprivilegien genießt, wie etwa, dass die Karrieren hier etwas ausgeprägter als in den anderen Lagern sind und dass man erst ein spezielles Item finden muss, ehe man das Lager betreten kann. Irgendjemand kam dann im Laufe der Zeit auf die glorreiche Idee, dass das Orklager die “Älite” der Minenkolonie beherberge. Stimmt das? Sehen wir uns das genauer an:
Weil das Orklager absolut Anti gegen alle anderen Lager ist, leben hier natürlich nur die wirklich pösen Menschen. Das sind dann Charaktere die wirklich durch und durch böse sind! Also wirklich gerade zu finster… Ich verrenn mich da, Moment…
Jedenfalls leben hier die Schwarzmagier. Diese wollen alle anderen Menschen umbringen und die Welt in ein von Zombies bevölkertes Jammertal verwandeln. Weil sie andere Menschen deshalb auch sosehr hassen, heiraten sie öfters Mal, küssen sich, sind für lustige Streiche zu haben und führen oft rege Freundschaften zu Andersgläubigen. Den Magier untergeordnet sind die Adepten. Das sind Schwarzmagier in Lehre. Weil sie noch nicht alle Zauber können und diese auch nur erlernen, wenn sie ein Verhältnis zu einem Schwarzmagier haben, vertreiben sie sich die Zeit damit in andere Lager zu gehen, dort schlechtes RP zu machen und anschließend zu behaupten, dass das betreffende Lager einfach bloß kein gutes RP machen könne.
Die nichtmagische Karriereleiter fängt mit den Orkspähern bzw. Jägern an. Deren eigentlicher Sinn hat sich mir nie so wirklich erschlossen, da ich in den 7 Monaten, in denen ich Mkler war, nie einen Jäger auf der Jagd gesehen habe. Meistens saßen sie im alten Lager am Lagerfeuer und haben rumgepöbelt oder ihre guten Freunde bei der Garde besucht…
Jedenfalls kann man sich auch hier hocharbeiten und bekleidet dann den Rang eines Orksöldners.
Der tut im Prinzip genau das gleiche, wie der Orkspäher, erscheint durch seinen Rang aber wichtiger und hat meist weitaus mehr Beziehungen zu allen möglichen Leuten (teils auch zu den unmöglichen; es gibt wirklich Söldner die von sich glauben mit Beliar, dem Gott der Dunkelheit in Gothic gesprochen zu haben…). Das Orklager ist also die selbst gekürte Elite unter den Lagern. Bei genauerer Betrachtung drängt sich einem die Tatsache, dass die Orklageristen alle samt anders als die anderen Lager sein wollen und sich trotzdem gegenseitig lieb haben gerade zu auf. Darf ich auf meinen Artikel über Hardcore-Individualisten verweisen?
Jetzt wo wir die verschiedenen Lager besser kennen gelernt haben, ist es an der Zeit unsere Figur (Nennen wir sie Frank) in eines dieser Lager zu schicken. Seinerzeit hatte ich mich für das alte Lager entschieden, daher wird Frank das jetzt auch tun. Wir gehen mal davon aus, dass Frank die Vorraussetzungen für eine Aufnahme erfüllt. Er ist Level 5 und hat sich im Kampf zwei schwarze Erzbrocken erkämpft. Gut, meinetwegen hat er sie sich auch erschnorrt. “He,sry, hassu vllt. 2 Erzbrocken? Wär voll kewl…”
Frank klickt nun also die Option “Lager beitreten” an. Nach einem kurzen Zwiegespräch mit einem NPC (Non Player Charakter ~ Eine Figur die vom Computer gesteuert wird) ist es vollbracht: Frank gehört den Schatten an und ist um zwei Erzbrocken leichter. Jetzt könnte Frank sich hinsetzen und zufrieden sinnieren, was er alles erreicht hat. Doch Frank hat große Pläne: Eines Tages möchte er Feuermagier werden! Wir wissen natürlich was er tun muss um befördert zu werden…
…Wer ruft da gerade “Gutes RP machen!”? Was für ein Schwachsinn! Natürlich meldet sich Frank erstmal im Minenkolonie-Chat an um seine neuen Bekannten jetzt persönlich kennen zu lernen. Frank lernt hier Sajeth, Y`berion, Dewarion und die ganzen anderen Götter in Mod-Rot kennen. Es dauert nicht lange bis er verstanden hat, wie man sich zu verhalten hat:
1. Gebot: Wenn Sajeth etwas sagt kommt es sofort in die “Hall of Quote” (Ein Forumtopic in dem die “besten” Zitate gesammelt werden)
2. Gebot: Wenn Y`berion etwas sagt kommt es sofort in die “Hall of Quote”
3. Gebot: Wenn Dewarion etwas sagt kommt es sofort in die “Hall of Quote”
4. Gebot: Egal welchem Lager du angehörst: Beschwer dich über das alte Lager!
5. Gebot: Für die Fortgeschrittenen: Gründe deinen eigenen Fan-Club!
6. Gebot: Hol dir die ICQ-Nummern deiner Ingame-Vorgesetzten!
7. Gebot: Kein Kommentar über mieses RP in Führungsebenen. Wenn du es für mies hältst, ist in Wahrheit deins schlecht
8. Gebot: Schön mitlästern, wenn schlechtes RP von irgendwelchen Neulingen zitiert wird!
9. Gebot: Immer nur die allgemeine Meinung vertreten.
10. Gebot: World of Gothic (Gegner-Forum, gibt ne Hintergrundgeschichte) ist böse!
Wenn man sich streng an diesen Kodex hält, hat man schon gewonnen. Wichtig ist im RP noch: Besorge dir einen Freund mit einem netten Rang. Dies erreicht man durch massives Schleimen und Worte wie “Sir”. So ist man immer auf dem Laufenden wie es um die eigene Beförderung steht und kann notfalls ganz dezent Druck machen. Gut, natürlich ist immer noch eine oder zwei RP-Aktionen notwendig. Hierbei lohnt es sich gar nicht Eigeninitiative zu ergreifen und ein riesiges Konzept für eine Lager-Umspannende Mission vorzustellen, diese würde von den betreffenden Mods nicht beachtet werden. Nein, sinnvoller ist es, sich einer Aktion, die von einem Mod ausgerufen wurde anzuschließen. Es ist nicht nötig wirklich was zu erreichen, man muss nur stets erklären wie minderwertig man selbst im Vergleich zu den Anderen ist.
Der Morgen nach dieser Aktion birgt eine Beförderung.
Gehen wir davon aus, dass Frank sich auf diese Art und Weise bei den Schatten durchgekämpft hat. Er hat nun auch den notwendigen Level um den Feuermagiern beizutreten. Ab hier beginnt der Bruch. Zum ersten Mal muss Frank eine Ingame-Bewerbung schreiben. “Warum ich Feuermagier werden will” ist der Titel dieses kleinen Essays. Frank nimmt also seine ganze Kraft zusammen und kleistert das Essay in die Tasten. Zwei Tage später erhält er die Annahmebekundung. Frank darf jetzt den Feuermagiern beitreten.
Natürlich macht er das auch umgehend und ist nun ein “Lehrling des Feuers”. Ein engagierter Magier hat ihm mittlerweile den Link zu einem Forum der Feuermagier per Brieftaube gesandt. Frank weiß, dass die Feuermagier auch ein Forum innerhalb des regulären Forums besitzen, daher rafft er nicht ganz, wozu dieses Forum notwendig ist, doch die Antwort auf diese Frage existiert, ist für ihn aber nicht sichtbar, da Chefmagier Thorwyn auf Anregung von ehem. Chefmagier Stavos für jeden Rang ein eigenes Forum erschaffen hat, damit sich jeder Rang besser und geheimnisvoller als die ihm unterlegenen Ränge fühlen kann.
Frank ist nun also neu bei den Feuermagiern. Aus irgendeinem Grund sind plötzlich im RP alle Gardisten böse auf ihn und er liest mehr als einmal den Satz “Wie ich diese Typen hasse…”. Diesen Satz wird er auch von jenen hören, die noch vor einigen Tagen behauptet haben seine besten Freunde bei der Garde zu sein.
Schockiert über diesen Befund wendet sich Frank per Brieftaube an den Schreiber des Gardisten. Der erwidert nur: “Ja, sry, aber erzähl sofort, was ihr Magier gerade macht!” Da Frank nichts weiß, ändert sich die Situation wenig. Um ein wenig zu entspannen begibt Frank sich nun erstmal in den Chatraum. Auch hier ist der Empfang mehr als kühl und nur wenige (Genau genommen niemand) wagt es Frank unvoreingenommen gegenüberzutreten. Woran liegt das? Frank weiß es selber, hatte es aber verdrängt:
Feuermagier sind unbeliebt. Nur selten verirrt sich einer in den Chat und wenn dann nur um ganz professionelle Botschaften auszugeben, wie: “Hey xy: Dein RP im alten Lager ist schlecht. Lass das bitte von einem Mod löschen.”
An dieser Stelle unterbrechen wir die Geschichte um Frank fürs erste. Sie scheint einiges herzugeben und daher möchte ich sie mir für spätere Gelegenheiten aufbewahren. Kommen wir jetzt zur Grundfrage zurück: Was haben die Minenkolonie und das Kaiserreich gemeinsam?
Beide sind pyramidisch geordnet, mit einem Kaiser (Im Falle der Minenkolonie sogar eines Gottkaisers, Sajeth) an der Spitze, unterstützt durch seinen Kanzler und die Minister. (Die Minenkolonie-Moderatoren). Auch lässt sich die kaiserliche Kamarilla in der Minenkolonie wieder finden. Wir kennen sie ja schließlich, jene Spieler, die offiziell einfach nur gut sein sollen, deren Macht sich aber viel mehr darauf beruft, dass zwei Straßen weiter ein Moderator wohnt… Schlussendlich die breite Masse. Auch diese ist logischerweise in der Minenkolonie vertreten und ähnlich wie im Kaiserreich protestiert sie nicht. Sie ist mit dem Staat zufrieden und würde es niemals wagen Majestätsbeleidigung zu begehen.
Und jetzt zum “grande finale”:
Der Extra-Teil über die Feuermagier. Ab diesem Punkt könnte ich mir theoretisch jegliche weitere Ironie ersparen, da die vorgefallenen Ereignisse an sich schon derartig lächerlich anmuten, dass Sarkasmus den Bogen eventuell überspannen könnte. Ich denke aber, dass ich allein aus persönlichen und meinetwegen auch niederen Rachegelüsten diesem Drang nachgehen werde.
Die Vorgeschichte: Wie oben schon erklärt sind die Feuermagier in der Minenkolonie eine der unbeliebtesten Gilden, wenn nicht gar die unbeliebteste. Worauf beigründet sich das? Einerseits darauf, dass alle anderen Gilden außerhalb des RPGs gut miteinander klarkommen und die meisten Spieler regelmäßig den Chat aufsuchen. Was hat das jetzt mit den Magiern zu tun? Nun ja, die Magier tun das nicht. Erklärungen gibt es viele: Mal ist ihnen der Chat zu kindisch, mal möchten sie sich einfach nicht einfügen und mal gibt es irgendeine alte Rechnung mit Sajeth, weswegen man sich nicht die Chuzpe gibt dessen Chat zu besuchen. Andererseits liegt es aber auch daran, dass die Feuermagier (Oder zumindest ihre Gildenführung) die Charakteristika des archetypischen Magiers (Wow, klingt der Satz toll…) ein wenig zu ernst genommen haben und auch außerhalb des RPGs ihre Arroganz zur Schau stellen und behaupten, die beste Gilde in der Minenkolonie zu sein. Eine Einstellung, die gerade dem Orklager, welches diese Einstellung ebenfalls vertritt (Allerdings mehr Moderatoren und Admins beherbergt), absolut nicht gefällt. Als drittes wäre da noch die Tatsache zu nennen, dass Sajeth zu Beginn der Minenkolonie einem Freund, welcher durch große Mitarbeit und auch durch Geldspenden aufgefallen war, die Leitung über die Feuermagier versprochen hatte. Seitdem liegt der unbenutzte Charakter “Kriegspriester Horendus” quasi als Karteileiche herum. Über Horendus werde ich kein schlechtes Wort verlieren, da ich die Gründe für seine Abstinenz nicht kenne.
Jedenfalls sind die Feuermagier ein wenig… unpopulär. Aus diesem Grund hat sie jener, die ganze Minenkolonie betreffende Mitgliederschwund besonders getroffen, so dass von ursprünglich knapp zwanzig Mitgliedern mittlerweile nur noch zehn da sind, von denen mehr als die Hälfte inaktiv ist. Da diese Tatsache damit gekoppelt ist, dass die Personalpolitik der Feuermagier in der Vergangenheit recht ahnungslos erschien, entsteht auch innerhalb der Gilde ein nicht zu unterschätzender Konflikt, denn da der Gilde Mitglieder fehlen, die eine breite Basis bilden könnten, ist es für Neuankömmlinge beinahe unmöglich aufzusteigen, da jeder Aufstieg bedeuten würde, dass eine Person zum beherrschen wegfällt. Dieser Konflikt schwelt also im Untergrund vor sich hin. Erschwerend kommt hinzu, dass jenes Spitzentriumvirat der Feuermagierleitung eigentlich nie dauerhaft RP gemacht hat. Thorwyn macht höchstens einmal die Woche RPG, was verständlich ist, wenn man viel zu tun, aber wiederum nicht verständlich ist, wenn man gleichzeitig dem Vorschlag mehr Druck auf die Mitglieder zu machen zugestimmt hat. Juraviel, wiederum macht höchstens einmal alle zwei Wochen RPG, da er schon seit fast einem Jahr behauptet im dicksten Abiturstress zu stehen. Jene Unzufriedenen, die täglich RPG gemacht haben und seit Monaten nicht befördert wurden, ballen da natürlich die Faust in der Tasche und beißen die Zähne zusammen, da es die Gildenleitung offenbar nicht für nötig hält abzutreten. Wenn jemand seinen Pflichten nicht gerecht werden kann, ist es in jedem Hobby oder Beruf notwendig abzutreten um dann Platz für neue Mitglieder zu machen. Dies ist aber offensichtlich nicht geschehen. Stattdessen kam es zu immer mehr Weggängen in den unteren Rängen, die von der Gildenleitung meist verständnislos als “ungeduldige Verräter” abgestempelt wurden.
Dann kam der Umbruch. Thorwyn hatte mittlerweile die Amtsgeschäfte an Juraviel übergeben ohne aber sein Amt zu räumen. Doch lange schon zog jemand anderes im Hintergrund die Fäden. Dieser jemand flüsterte Juraviel zu, dass es sinnvoll wäre die durch den Weggang einiger wichtiger Führungsmagier gerissenen Löcher mit den verbliebenen Magiern zu stopfen und das Rangsystem so neu zu etablieren. Ich möchte an dieser Stelle nur kurz erwähnen, dass ich selbst den gleichen Vorschlag einige Wochen vorher eingebracht hatte, aber mit den Worten “Es gibt keine Löcher!” abgeschmettert wurde. Juraviel setzte nun also die “große juravielanische Reform” in Gang. Ich zählte damals zu jenen Glücklichen, die im Zuge dieser Aktion befördert wurden. Was Juraviel und sein Geisterhafter Stichwortgeber nicht bedacht hatten, war die “außenpolitische” Wirkung: Die anderen Gilden waren gar nicht erfreut über die Umstellung und zeitweise gab es sogar Drohungen von Seiten der Admins, wenn ich mich recht entsinne. Dennoch trat für einige Tage die beabsichtigte Wirkung ein: Aktivität und Innovativität erreichten nie da gewesene Spitzen. Eine Woche später… war wieder alles eingeschlafen. Ich persönlich bin zwar täglich online gegangen, habe dann allerdings nichts großartiges gemacht. Juraviels Aktion hatte also keinen Erfolg gezeigt. Doch in diesen Stunden der Not erschuf sich Juraviel sein eigenes Nemesis: Indem er seinen Wortgeber Valya ebenfalls zur Gildenleitung ernannte, beschwor er sich den Zorn der Räte (Das waren wir aber das nur am Rande.) herauf, denn leider hatten wir bei unserer Beförderung missverstanden, dass man als Rat nicht seine eigene Meinung sagen sollte, sondern eher still bleiben sollte. Also fragten wir nach dem Grund dieser in unseren Augen ungerechtfertigten Beförderung. Anstelle einer Antwort erhielten wir ein “Gut, dann trete ich halt zurück, wenn es euch nicht passt! Ihr seid doch eh nur neidisch!” und die Bemerkung, dass wir kindisch sein und nur “mimimi” (Ein von Sajeth geschaffenes Modewort, dass durch Valya, die als einzige Magierin Kontakt zu Sajeth hatte sogar ins Lager der eingefleischten Antis geraten war.) von uns geben würden. Eine nahezu gleiche Stellungnahme verfasste dann auch Juraviel, während Thorwyn sich durch ein “Ja, so ist es gut! Räte sagt eure Meinung, aber vergesst den Streit und habt euch lieb!” aus der Affäre zog. Nachdem dann auch noch herauskam, dass Juraviel sich die meisten unserer meist aus Wut und Enttäuschung sehr langen Posts nicht durchgelesen hatte und auch noch sehr stolz darauf zu sein schien, verabschiedete erst ich und dann Victoria sich aus der Gilde. (Wäre ich Cicero würde ich mit einem Trikolon darauf hinweisen, dass Ich derjenige war, der Juraviel überführte und Ich es war, der Victoria schließlich zum Abgang brachte. Da ich aber nicht weiß, wie so ein Trikolon geht, kann ich das leider nicht machen…) Kurz nach meinem Tod im RPG wurde mein Post von Juraviel gelöscht und meine Account im Forum, sowie meine IP-Nummer gelöscht. Tragisch nur, dass Victoria und Noctus (Meine Mit-Räte) Juraviel zuvorgekommen waren und den Post doch gelesen hatten. Victoria stellte ein letztes Ultimatum: Schuldeingeständnis, Einbeziehung der Räte und Widerherstellung meines Posts binnen einer Woche, ansonsten Abgang Victorias. Nach anfänglichen Schuldeingeständnissen Juraviels, der wohl erkannt hatte, dass er die Gilde ohne Rat nicht leiten konnte, versank auch dieser Vorsatz im Wasser und auch Victoria verließ die Gilde. Ironischer Weise habe ich kürzlich erfahren, dass Valya sich nach langer Inaktivität mit großem Pomp aus dem RP zurückgezogen hat. Fast tragisch. Ebenfalls tragisch ist, die Falschheit, die mein ehemaliger Chef Thorwyn zum Ausdruck bringt: Einerseits erklärt er vor den Räten, dass er unsere Ansichten teilweise teile und Mitsprache der Räte will, aber andererseits erklärt er im (Nicht ganz) Räte-freien Admin Bereich des Forums, dass die Räte ruhig gestellt werden müssen. Das passt sehr gut zu den Anti-Sajeth-Äußerungen Thorwyns mit denen eine ständige öffentliche Belobhudelung und Unterstützung Sajeths Hand in Hand geht.
Zum Abschluss noch: Dieser Artikel spricht NICHT hauptsächlich die Anhänger der Minenkolonie an, die mir wohl in keinem Punkt zustimmen würden. Vielmehr möchte ich jene warnen, die nachdenken sich diesem Browsergame anzuschließen. Die technische Umsetzung mag brillant sein, aber die Menschen dahinter, sind es sicher nicht. Die Mitglieder der Minenkolonie (Sofern sie sich denn hierhin verirren) möchte ich eher nebensächlich ansprechen und mahnend den Zeigefinger erheben. Noch ist die Kolonie nicht verloren! Ich hoffe, dass der Serverreset im nächsten Jahr auch eine Umstellung der Personalpolitik mit sich bringt…
In diesem Sinne und mit den besten Wünschen,
Jordan
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Nen ziemlich langer Eintrag.
Übrigens:
MMORPG : Massiv Multiplayer Online Role Play Game
Hallo Mauri.
Ich finde deinen neusten Eintrag sehr interessant und aufschlussreich. Du hast sehr genau alle Probleme auf den Punkt gebracht und einen guten Mittelweg zwischen Informationen vermitteln und Unterhalten erreicht.
Mach weiter so !
Georg